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20.11.2018Elmar BorgmeierDigitaler Kundenzugang

Was meint eigentlich „Bank als Plattform“?

Plattform ist das neue Fintech. Damit meine ich: Wenn man in den letzten Jahren zu einem Banker „Digitalisierung“ sagte, bekam man sofort „FinTech“ als Antwort. Als wenn beides ein und dasselbe wäre. Heute hört man stattdessen „Plattform“. 

Die „Bank als Plattform“ ist das heißeste Eisen, das nächste große Ding, bleeding edge. Aber was ist damit eigentlich konkret gemeint? 

Mindestens eine Klärung scheint notwendig: Nicht gemeint ist „Banking as a Service“ (BaaS), wie es zum Beispiel die Solaris Bank anbietet. Hier kann man zwar auch von einer Plattform sprechen, mit deren Hilfe branchenfremde Anbieter sich die Systemlandschaft einer Bank zusammenstellen können, um Finanzdienstleistungen anzubieten. 

Beim aktuellen Hype um „Bank als Plattform“ geht es aber eher darum, dass umgekehrt Banken Leistungen in ihr Angebot aufnehmen, die keine Bankprodukte sind. 

Worum es – zumindest nach meinem Verständnis – ebenfalls nicht geht: dass Banken keine eigenen  Produkte mehr anbieten, sondern nur noch als „Händler“ von Produkten beliebiger Fremdbanken auftreten. Auch wenn man ein solches Verständnis der Diskussion gelegentlich antrifft, wie zum Beispiel in dem bissigen Beitrag „Die Bank als Plattform? Diese Idee zeugt von Naivität und Unkenntnis“ von Prof. Andreas Buschmeier. 

Der Händler-Gedanke kommt auch deshalb gern ins Spiel, weil Amazon meist als leuchtendes Vorbild einer erfolgreichen Plattform dargestellt wird. Und gerade die Tatsache, dass Amazon damit liebäugelt, über eine Partnerbank ins Banking einzusteigen, befeuert den Ruf, Banken müssten jetzt umgekehrt alle zu Plattformen werden. 

Dabei sind Banken eher mit Verlagen vergleichbar als mit einem Buchhändler. Denn sie bieten vor allem eigene Produkte an, und bedienen sich dafür heute auch schon verschiedener „Händler“ im Sinne verschiedener Vertriebskanäle. 

Und es ist kein Zufall, dass es der Buchhändler Amazon war, der zur Plattform wurde, und kein Verlag. Einem Händler nimmt der Kunde die Neutralität ab. Bei einem Verlag oder einer Bank bliebe immer die Frage, ob die eigenen Produkte nicht doch bevorzugt werden. 

Was den reinen Produktvertrieb betrifft, gibt es solche Plattformen im Finanzbereich auch schon: Check24 oder Verivox zum Beispiel. Und für Menschen, die Beratung möchten, gibt es Vermittler wie MLP und AWD. 

Wie Prof. Buschmeier schon ausgeführt hat, braucht es von solchen Plattformen nur sehr wenige – das Geschäftsmodell Plattform tendiert zur Monopolbildung. Wer hier gegen Check24 antreten will, sollte schon gute Differenzierungsmerkmale mit an den Start bringen. Zum Beispiel kann man Firmenkunden oder institutionelle Anleger statt Privatkunden adressieren. Diese Kuchen sind noch nicht verteilt. 

Was aber jede Bank tun kann und tun sollte, ist: Zur Plattform für Produkte werden, die keine Bankprodukte sind. 

Dinge vertreiben, die man nicht selbst herstellt. An Handelsmargen verdienen statt an Zinsmargen. Das mag dem versierten Banker ungewohnt erscheinen – aber bekanntlich ist der Kopf ja rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. 

Die Umsetzung ist verhältnismäßig einfacher, weil die eine Hälfte der Plattformökonomie bereits geschafft ist: Die Kunden nutzen bereits Angebote der Bank wie Online- oder Mobile-Banking. Jetzt muss man „nur“ noch Produkte anbieten. 

Die Produkte sollten natürlich schon passen. Die meisten Menschen halten Banken wohl nicht für gute Autohändler. In Beratersprech gesagt: Die Kompetenzvermutung muss gegeben sein. 

Das dürfte der Fall sein bei allen Produkten rund ums Geld. Versicherungen, Gutscheine, digitales Geld, Immobilieninvestments. Eine traditionsreiche Privatbank könnte vielleicht sogar Kunst als Geldanlage vermitteln. 

Auch Produkte, die der Kunde als Commodities betrachtet (und damit in eine ähnliche Schublade einordnet wie seine Bank) könnten passen: Strom, Gas und generell Abonnements. Beispiele dafür werde ich im kommenden Beitrag vorstellen.


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