Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen

17.04.2018Syngenius

Estland Digital: Was machen die da oben?

Estland Digital: Was machen die da oben?

Der Schlüssel zur Erfolgsgeschichte eines Landes in E-Government und Digitalisierung: seine Menschen dazu zu bringen, digital zu denken und sich damit auseinanderzusetzen, dass Risiken niemals beseitigt werden können...

Teil 1 unserer Serie über die Digitalisierung der Baltischen Staaten.

Eine der am meisten bewunderten Erfolgsgeschichten des staatlichen Managements in Europa und weltweit ist zweifellos Estland. Das kleine baltische Land, das 1991 seine Unabhängigkeit von der Russischen Föderation erlangte, sah sich sofort einer unverblümten Realität gegenüber: als Zwerg im Schatten eines Riesen zu überleben. Dies würde viel Kreativität erfordern. Estland musste effiziente Wege finden, um einerseits sicherzustellen, dass seine Institutionen, Infrastruktur und Wirtschaft nicht durch das benachbarte Russland lahmgelegt werden und andererseits, dass die Welt diesem kleinem Staat Aufmerksamkeit schenkt. Letzteres sollte dazu führen, dass die gesteigerten Geschäftsbeziehungen ihr helfen, im wirtschaftlichen Sinne an Relevanz und Stärke zu gewinnen. Auf welche Weise könnte Estland dann auffallen? Die Antwort war einfach, aber nicht leicht zu verwirklichen: durch enthusiastische Annahme dessen, wovon die ehemalige UdSSR so abgeneigt war; papierlose Verwaltung und Agilität.

Es besteht jedoch eine gewisse Kluft zwischen einer so wichtigen Entscheidung auf Länderebene und der praktischen Umsetzung. Die allerersten, die zu solch einer drastischen Veränderung überredet werden mussten, waren die Esten selbst. Die Regierung verfolgte hier einen zweifachen Ansatz: Erwachsene Esten mussten ein gutes Motiv bekommen, um digital zu werden, während jüngere Kinder so unterrichtet werden konnten.

Die nächste große Wette bestand darin, den gesamten Aufwand nicht auf eine Nischen- Trial-Agenda zu beschränken, sondern auf möglichst viele Aspekte des Lebens und der Wirtschaft auszudehnen. Wie die Esten sagen: "Es gibt nur drei Dinge, die man in Estland nicht online tun kann; heiraten, sich scheiden lassen und ein Stück Land kaufen.“

Der nächste strategische Schritt bestand darin, "Ausländern" die Möglichkeit zu geben, an der Party teilzuhaben: am Ende des Tages wurde die gesamte Digitalisierungsmission primär als Mittel zum Überleben und Wachstum konzipiert. Estlands große Kampagne, stärker zu werden, indem es digitaler wird, heißt "e-residency" und bietet praktisch jedem, der die estnische Staatsbürgerschaft beansprucht, die Möglichkeit, fast alles zu tun, was ein Este zu Hause tun könnte, von überall auf der Welt, wo es Internet gibt. (Nun, fast alles: Sie können vielleicht eine estnische Firma online einrichten, aber Sie müssen immer noch einmal physisch dorthin fahren, um ein Bankkonto für Ihr Geschäft zu eröffnen). Eresidence bedeutet jedoch wirklich, was der Name impliziert: Mit ihrer E-ID und einer starken zweistufigen Authentifizierung können die Esten online abstimmen, ihre Steuererklärung abgeben, an den Staat zahlen oder Geld von ihm erhalten, sich um die Angelegenheiten ihres Unternehmens kümmern und vieles mehr.

Nun, wenn ein Land so mutig war und all das in so großem Umfang umgesetzt hat, wie beseitigt es die Chance, dass etwas schiefgehen könnte? Eigentlich ist sowas gar nicht möglich! Man muss sich damit abfinden, dass wie in der Offline- auch in Online- Welt Unfälle passieren können und man nur sein Bestes tun kann, um sich bestmöglich zu schützen.

Estland hat in den Jahren seiner epischen digitalen Transformation große Schläge nicht vermieden; doch anstatt zurückzugehen, hat es sich mit noch größerer Entschlossenheit auf dem Weg zu einem Vorreiter für E-Government entschieden, aber es stellt sicher, dass seine Rüstung gegen Bedrohungen zu jedem Zeitpunkt auf dem neuesten Stand ist. In seinen Online-Systemen setzte das Land frühzeitig eine starke, zweistufige Authentifizierung ein. Es setzt schnell State-of-the-Art-Technologien ein, wie Blockchain, die die Möglichkeit von Sicherheitslücken minimieren; und es ist sogar so weit gegangen, eine vollständige Sicherungskopie seiner gesamten digitalen Präsenz und Aufzeichnungen außerhalb der eigenen Grenzen in Luxemburg zu führen.

Jetzt, wo Estland ein etablierter Digital- und Fintech-Champion ist, kommen auch Litauen und Lettland, die sich gleichwohl substanziell von Russland trennen müssen, nach. Um es kurz zu machen: Sollte das gesamte Baltikum zu einem digitalen Drehkreuz werden, wird es nicht in erster Linie an den kleinen Proportionen des Staates gelegen haben. Vielmehr wird es davon profitiert haben, dass im Gegensatz zu Estland Politiker in Deutschland erstmals 2018 eine digitale Agenda aufgesetzt haben. Die Esten hatten dies bereits in den neunziger Jahren als festen Teil der Politik übernommen. Wieso? Ganz einfach, weil sie sich damit abgefunden haben, dass es keine staatliche Struktur mit null Risiko gibt; anstatt ständig Angst davor zu haben, etwas anderes zu versuchen, weil es vielleicht nicht 100% funktioniert, entschieden sie sich, mutig zu sein. Und sie wurden für diese Entscheidung belohnt. Die Aufmerksamkeit der Welt und der Investmentfonds sowie FinTechs und vieler großen Unternehmen liegen auf dem kleinem Baltischen Staat Estland.

Author: Jekabs Silins und Xenophon Kontargyris, SYNGENIO AG Image: BirgitKorber – Adobe Stock


Begleiten Sie unseren Mitarbeiter Syngenius

Beiträge filtern

 

nach Kategorie

UnternehmenKarriereDigital PaymentDigitaler KundenzugangSoftware Manufaktur

nach Autor

Alexander LazarevićChristian RäderDirk MögenburgJörg SteinElmar BorgmeierMark SpiesslMichael AitaMichael MaleikaNicole KunzeDr. Stefan ReisnerTanja Everartz

nach Themen

Es sind Themen dabei, die Sie besonders interessieren?

Dann ist unser Infodienst was für Sie. Geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie Ihre Themen aus. Wir benachrichtigen Sie, sobald es dazu etwas Neues gibt.

© SYNGENIO AG EXZELLENZ. BEGEISTERUNG. VERANTWORTUNG. INNOVATION.