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09.03.2018SyngeniusUnternehmen

Bericht von der Finovate Europe 2018 (Teil 1)

1400+ Teilnehmer, 70+ Unternehmens-Demonstrationen, 120+ Expertenvorträge

Das sind die Eckdaten der FINOVATE EUROPE 2018 Konferenz in London vom 6. bis zum 9. März. Während die ersten beiden Tage geprägt sind von kurzen Minuten-Pitches, präsentieren Fintechs und Unternehmen an den folgenden beiden Tagen ausführlich Ihre Innovationen. Auch wir sind vertreten durch unseren Principal Consultant Mark Spiessl, der direkt von der Konferenz in seinen eigenen Worten und subjektiv in zwei Teilen berichtet.

Der zweite Tag ist beendet - zwei Tage Highspeed-Pitches (ca. 7 Min.) für neue FinTech-Ideen - vor allem Apps. Es ist Zeit, über meine ersten Eindrücke nachzudenken. Nachzudenken über das Neue (oder auch nicht Neue), was ich gesehen habe und wie sich die FINOVATE EUROPE mit ähnlichen Veranstaltungen in Europa vergleichen lässt.

Zunächst einmal zur Organisation der Veranstaltung: Sie ist sehr gut organisiert und der neue Standort (London Excel) ist ein perfekter Veranstaltungsort. Und: Es gibt immer ein Aber. Kleine Dinge, die das Besuchererlebnis weiter optimieren würden, fallen einem ein. Zum einen sind wir nicht taub. Wie die Veranstaltung Money 20/20 hat man das Gefühl, als ob Sie einem die Ohren wegsprengen. Warum?

Hinzu kommt die ständig wiederholende Werbung für andere Finovate-Events weltweit und Präsentation der Sponsoren, so oft, dass jeder den persönlichen „Mental-Mute-Button“ drückt. Der gastgebende Moderator ist ein charmanter, witziger und eloquenter Redner, der seinen Job sehr gut gemacht hat, aber er erinnerte mich auch an einen Moderator eines Home Shopping Channels. Weniger wäre meiner Meinung nach mehr. Aber wie gesagt: Ich bewerte gerade kleinlich.

Die neuen (und nicht so neuen) Inhalte.

Häufigster Trend: Wealth Management. Trotz der Tatsache, dass die Welt mehr Schulden als Vermögen hat, konzentrierten sich viele Startups auf Investitionen. Ein Beispiel hat es auf den Punkt gebracht: Eine Protagonistin war sehr reich und wollte wissen, ob sie sich eine neue Yacht zum Preis von 400'000 GBP leisten kann. Eine Yacht? Für wie viel Prozent der Weltbevölkerung ist dieses Produkt überhaupt relevant? Ich habe keine konkreten Prozentzahlen, aber es fühlt sich an, wie ein Verhältnis 5:1 von Apps. Auf fünf Apps „für sehr wohlhabende Menschen“ kommt eine App „für alltägliche Menschen mit Alltagsproblemen“.

Praxisnähe: Ein wirklich intelligentes „bill splitting“, intuitiv und sehr nützlich kam den ganzen Weg von Singapur. Warum überrascht es mich nicht? Der Inhalt war ausgezeichnet, aber zu wenig „Bling und Show“, also hatte es keine Chance zu gewinnen. Aber meine Liebe zu asiatischen FinTech-Ideen ist eine andere Geschichte.

Ermüdender Trend: Alexa. Sie war in vielen Demos aktiv und führte die Befehle selten zur Zufriedenheit aus. Ich persönlich finde es nicht gut, dass Amazon in jeden Aspekt meines Lebens eindringt. Mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Entsetzen warte ich auf den Tag, an dem Alexa einen Besuch bei der Proktologin ersetzt. Es gibt wirklich sehr, sehr wenig, dass Alexa nicht weiß, wenn die Verbraucher ihre Neugier nicht aktiv dämpfen. Ich finde KI fantastisch, aber Robo Advisors, die nicht Alexa heißen und die eine andere Stimme haben, geben mir fast sofort ein Gefühl von Erleichterung.  

Kritik

Die Dinge, über die ich mich auch nach dem zweiten Tag noch wundere: Die Struktur der Veranstaltung der ersten beiden Tage ist eine schnelle Abfolge sehr kurzer Pitches (max. 7 Minuten, keine Dias erlaubt, nur Live-Demos) von einigen – wie ich finde -ziemlich kreativen FinTech-Start-Ups. Die Stärke dieser Vorgehensweise ist, dass alle Präsentationen unkompliziert und auf den Punkt gebracht, präzise und prägnant sind.

Die Schwächen sind:

  1. 7-Minuten-Pitches lassen keine Diskussionen zu. Die Geschwindigkeit der Präsentationen ermöglicht keine Diskussionen und Anmerkungen. Im besten Fall können Sie versuchen, die Inhalte aus den Präsentationen in den Pausen, in einem Einzelgespräch zu reflektieren und ggfls. zu widerlegen. Der Rest des Publikums hört so aber nie, dass zum Beispiel viele Ansprüche auf verfügbare Funktionalitäten bei Fintechs noch nicht verfügbar und in Europa illegal sind. Chapeau an die 3-4 Moderatoren eines Fintechs, die so ihr Produkt eindeutig als MiFiD-konform angegeben hatten, aber niemand es wagte, GSPR oder NISD zu erwähnen wegen der Kürze der Zeit.
  2. ICO scheint wichtiger zu sein, als Qualität, Nutzbarkeit und Nachfrage nach einer Innovation? Das andere Problem hat wenig oder nichts mit der Konferenz selbst zu tun: In der FinTech-Welt ist der am häufigsten verwendete Faktor, um ein Start-up zu vergleichen und auszuwählen, der Geldbetrag, der generiert wird beim Initial Coin Offering (ICO). Die Zahlen werden pro präsentierendem Unternehmen in den präsentierten schriftlichen Unterlagen gedruckt, und das ganz oben, prominent direkt unter dem Firmennamen. Man könnte meinen, dass die Investoren sich wie Schafe verhalten, die der Herde und dem „blinkenden Hype“ folgen. Der ICO liefert keine Informationen zu Qualität, Nutzbarkeit oder der zukünftigen Nachfrage eines Produkts. Ich komme mir irgendwie vor, als ob ich die einzige Person bin, die sich an die Dotcom-Blase erinnert und wie die Blase platzte. Ich will keine Panik machen, aber es „fühlt sich gerade etwas so an, wie damals“. Oder: Bin ich die einzige Person, die sich erinnert, wie die US-Immobilienblase eine globale Wirtschaftskrise ausgelöst hat, von der sich die Welt immer noch erholt?

Ich wünschte den Fintechs, sie wären nicht gezwungen, diese Informationen veröffentlichen und Ihre Vorteile in unter sieben Minuten präsentieren zu müssen. Ich wünschte Sie hätten mehr Zeit Ihre Produkte live zu zeigen. Für mich gilt „Spielfeld-Level-Philosophie: Nur das Produkt zählt, nicht der "Bling-Bling Faktor", der Schnickschnack, der Rauch und die Spiegel.

Ihr Mark Spiessl von der FINOVATE EUROPE 2018.


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