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08.11.2018Elmar Borgmeier

Banken-Challenges: Popcorn und Plattformen

Nix bliev wie et wor

Die Konferenz BankenChallenge in Köln orientierte sich heute vor allem am 5. Paragraphen des kölschen Grundgesetzes: Et bliev nix wie et wor. Aus dem vielfältigen Programm möchte ich vier primäre Challenges herausdestillieren, vor denen Banken heute stehen:

1. Der Popcorn-Effekt

Bisher sind die Folgen der Digitalisierung für die etablierten Banken noch zu verschmerzen. Laut einer Studie der comdirect sind sage und schreibe 97% der Kunden mit ihrer Hausbank zufrieden (auch wenn sie über die Bankbranche im Allgemeinen meckern). Kunden erwarten von der Hausbank gar nicht übermäßig viel Innovation – vor allem, weil sie Banken nur an anderen Banken messen, nicht an Digitalunternehmen. 

Alexander Kluge verglich den aktuellen Stand der Dinge mit Mais in einer Popcorn Maschine. Der brodelt auch lange Zeit im heißen Topf vor sich hin, ohne dass sich groß etwas zu tun scheint. Aber wenn das Korn aufzuplatzen beginnt, geht alles rasend schnell. Popcorn quillt aus dem Topf hervor und füllt den Auffangbehälter drumherum, ohne dass noch jemand Zeit zu reagieren hätte. 

Genau darin liegt die Gefahr: Dass die laufende Entwicklung unterschätzt wird und es irgendwann zu spät ist, um noch zu reagieren.

2. Plattform-Ökonomien

Auch im Finanzbereich hält das Geschäftsmodell Plattform immer mehr Einzug. Große Banken wollen selbst Plattformanbieter werden. Anderseits wird der Markteintritt der großen Digitalplattformanbieter wie Amazon und Facebook erwartet. 

Was bedeutet das? Womöglich eine drastische Veränderung des Kundenzugangs. Wer Plattform werden will, muss Fremdprodukte gleichberechtigt anbieten. Wer Produkte über Plattformen vertreibt, gewinnt einen zusätzlichen Vertriebskanal, verliert aber den direkten Kundenkontakt. Und die Produkte müssen dem direkten Vergleich auf der Plattform standhalten.

Plattform-Ökonomien neigen zu „Winner takes it all“-Quasi-Monopolen. Schon heute läuft mehr als jede zweite eCommerce-Transaktion in Deutschland über einen einzigen Anbieter: Amazon. Und mehr als jeder zweite Dollar oder Euro, der weltweit für digitale Werbung ausgegeben wird, läuft über Google und Facebook. Sollte Amazon tatsächlich demnächst Bankleistungen anbieten – was wird dann aus dem Retail Banking in Deutschland? 

3. FinTech. Doch, wirklich.

FinTechs scheinen erst Mal keine Challenge mehr zu sein. Die beißen nicht, die wollen nur mit den Banken spielen, oder? Nicht alle. Es gibt sie, die Crowdfunding-Plattformen, die Geld einsammeln und damit Investitionen finanzieren. In Immobilien oder auch in Herta BSC. Diese Plattformen erfüllen eine Funktion, für die es nach klassischer Lehre eine Bank gebraucht hätte.

Auslands-Zahlungsverkehr? Am besten über FinTechs mit und ohne Blockchain-Technologie. Robo-Advisor verwalten immer größere Vermögen. Hufsy bietet Kontoführung plus Buchhaltung plus Steuererklärung für Kleinstunternehmer in einer App. All das ist Geschäft, das den Banken heute schon fehlt. 

Ja, auch die FinTechs selber erwarten (laut comdirect-Studie), dass 75% der deutschen Fintechs das Jahr 2025 nicht erleben werden. Aber diejenigen, die übrig bleiben, werden ein ordentliches Stück vom Kuchen besitzen. Paypal ist heute an der Börse vier Mal so viel wert wie die Deutsche Bank. Etliche Bankvorstände kleinerer Banken haben von Wirecard vermutlich zum ersten Mal gehört, als Wirecard die Commerzbank aus dem Dax verdrängte. 

4. Die eigene Unentschlossenheit

Manchmal stehen Banken sich auch selbst im Weg. In der software-getriebenen neuen Welt des Volldigitalen ist man noch nicht so recht angekommen, aber die gute alte Nachbarschaftsbank mit dem persönlichen Stil gibt es auch nicht mehr. Nach all den Vorträgen kam ich noch kurz mit dem Veranstaltungstechniker ins Gespräch. Heute ist er selbständiger Unternehmer und die Banken laufen ihm nach. Aber natürlich hat er auch mal klein angefangen. Damals lief nicht immer alles so glatt. Für die Immobilienfinanzierung musste er gefühlt zu viel persönliche Informationen preisgeben. In dieser Phase war er nacheinander bei den beiden Bankengruppen, denen sich die meisten deutschen Privatkunden zuwenden. Leider fühlte er sich von beiden nicht gut betreut und ist heute bei einer anderen Bank. 

Ein Einzelfall, sicher. Aber doch einer, der mich nachdenklich gestimmt hat zum Abschluss des Tages. 


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