Gepflegtes IT-Service-Management
Als ich letzte Woche nach Hause komme, wirkt meine Frau irgendwie
abwesend. „Was ist denn los?“, erkundige ich mich besorgt. „Ach, ich hab
mich gerade länger mit unserer Nachbarin über ihre pflegebedürftige
Mutter unterhalten. Es ist einfach nicht zu fassen, wie das mit der
Pflege so läuft.“ Als ich sie fragend anschaue, erklärt sie: „Jede
Leistung wird einzeln abgerechnet: Zubereitung einer warmen Mahlzeit ist
gleich 11,66 Euro, Wegräumen von Pflegeutensilien ist gleich 2,20 Euro.
Jeder Handgriff muss für die Abrechnung dokumentiert werden. Das ist
doch der helle Wahnsinn! Wieso kann man denn nicht einfach eine Stunde
Hilfe bei der Pflege einkaufen, fertig?!“, echauffiert sich meine Frau.
Nun, ich musste mich Gottlob noch nicht mit Pflegeversicherung und
Pflegediensten befassen. Beim Wort „Pflege“ fällt mir nur Kundenpflege
im Allgemeinen und IT-Service-Management im Besonderen ein. Und da ist
im Hinblick auf die Cloud genau diese Detaillierung gefragt. Also eben
nicht nur: Der Server brummt eine Stunde mit einer Auslastung von
soundso vielen Prozent fröhlich vor sich hin. Vielmehr gilt es, genau zu
erfassen, welche Leistungen er erbringt, also: Mail versenden,
Bestellung entgegennehmen, Zahlung verbuchen. Kurzum: Die IT sollte sich
da vielleicht ein Beispiel an der Pflegeversicherung respektive der
Pflegebranche nehmen. Ja, was wir brauchen, ist ein „gepflegtes“
IT-Service-Management!
Aber natürlich behalte ich diese Gedanken für mich. Ich bin ja kein
herzloser Nerd, der nicht weiß, was seine bessere Hälfte jetzt nötig
hat. Und so sage ich: „Das ist wirklich ein Unding. Ich glaube, der
zunehmende Bürokratismus bringt uns um, bevor wir überhaupt das
Pflegealter erreichen.“ Daraufhin lächelt meine Frau bereits wieder.
Tja, linguam compescere virtus non minima est, wie der Lateiner sagt.
Will heißen: Seine Zunge hüten zu können, ist nicht die geringste
Tugend!
Übersetzt freundlich grüßend
Der Syngenius

